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Energie für Mensch und Maschine

Ausgehend von den USA hat in den 1990er-Jahren ein neuer Geschäftstyp die europäische Handelslandschaft revolutioniert. Über England, Skandinavien und Deutschland wurden die Tankstellen-Convenience-Stores bald auch in Österreich ein Begriff. Diese modernen Shops waren es, die immer mehr die Versorgungslücken schlossen, die durch die rasante  Expansion der großen Supermarktketten zu Lasten der kleinen Lebensmittelgeschäfte entstanden. „Tante Emma“ in Deutschland und der „Greissler“ in Österreich wurden Auslaufmodelle.

Die Idee der so genannten „Convenience Stores“ lässt sich bis in das Jahr 1927 zurückverfolgen. Damals startete die heutige Southland Corporation in Dallas, Texas mit der Produktion und dem Vertrieb von Kühleis. Aufgrund der Kundennachfrage ging man daran, das Angebot nach und nach auf ein umfassendes Lebensmittelsortiment auszuweiten, das dann in den neu gegründeten „Totem’s Stores“ verkauft wurde. Mitte der 1940er-Jahre, die Shopkette war bereits respektabel gewachsen,  wurden die einzelnen Standorte auf die Marke „7-Eleven“ umgetauft. Damit wollte man die Kunden auf die „most convenient opening hours“, den neuen bequemen Öffnungszeiten von 7 Uhr früh bis 11 Uhr abends aufmerksam machen.

Die Magie des Benzins

Waren im Jahr 1916 in den USA 3,5 Millionen Automobile zugelassen, so schnellte diese Zahl mit dem aufkommenden Wirtschaftswachstum der 1920er-Jahre auf über 23 Millionen und jeder Wagen legte jährlich immer mehr Kilometer zurück, von durchschnittlich 7200 Kilometer im Jahr 1919 bis zu 12.000 Kilometer in 1929. Und jedes dieser Autos wurden von Benzin angetrieben. Es war eine gigantische Invasion der Automobile, mit einem „Weltmarktanteil“ von rund 80 Prozent.

Der Übergang Amerikas zu einer Autokultur wurde von einer weiteren Entwicklung begleitet. Es war die Entstehung und Verbreitung eines dem neuen Kraftstoff und dem neuen Lebensgefühl geweihten Tempels:  Die Drive-in-Tankstelle wurde geboren. Vor 1920 wurde Benzin meist von kleinen Ladenbesitzern verkauft, die den Motorkraftstoff in Kannen und Kanistern unter der Theke oder vor dem Geschäft lagerten. Das jeweilige Produkt hatte keinen Markennamen und so konnte der Autofahrer nicht immer sicher sein, ob er wirklich Benzin für sein Geld bekam oder eine Mischung aus billigem Petroleum. Einige Händler versuchten es mit Benzinwagen, die von Haus zu Haus fuhren und den Kraftstoff anlieferten. Aber diese „Logistik“ setzte sich nie richtig durch, vor allem aufgrund der Häufigkeit, mit der die Tankwagen explodierten. Und so musste es  eben eine bessere Methode für den Benzinverkauf  geben  und es gab sie – die Tankstelle. Die außergewöhnliche Ehre, die allererste Tankstelle in den USA eröffnet zu haben, gebührt der Automobil Gasoline Company in St. Louis, die im  Frühjahr 1907 den Benzinverkauf über eine von Wayne konstruierten Zapfsäule startete.

Aufbau von Tankstellennetzen

Der eigentliche Aufbau von Tankstellen und ihre Verbreitung im Land setzte erst am Beginn der 1920er-Jahre ein und erreichte sehr bald ein dichtes Netz von 100.000 Verkaufsstellen. Gut die Hälfte davon waren Lebensmittelläden, Haushaltswarengeschäfte oder Eisenwarenhandlungen. Zehn Jahre später war die Anzahl der Einzelhändler, die Benzin vertrieben, auf schätzungsweise 300.000 gestiegen. Auch die Standorte, wo nur Benzin verkauft wurde, legten zu. So stieg die  Anzahl der Tankstellen in 1920 von etwa 12.000 auf 143.000 in 1929. Und sie waren überall – in Großstädten an belebten Straßenecken, in Kleinstädten an den Hauptstraßen und in der Provinz, wo sich zwei Landstraßen kreuzten. Östlich der Rocky Mountains hießen diese Einrichtungen „filling stations“, westlich der Rockies „service stations“. Die erste Großtankstelle wurde 1921 in Forth Worth, Texas eröffnet. Es war ein für die damalige Zeit gigantischer Benzinbahnhof mit acht Zapfsäulen und drei Zufahrten von der Straße. Aber Kalifornien überflügelte Texas, insbesondere Los Angeles mit seinen modernen Servicestationen, den standardisierten Anlagen mit großen Leuchtzeichen, Toiletten, Überdachungen, Grünflächen und asphaldierten Zufahrten.

Shell startete Shopinitiative

Shell war in den USA der erste Mineralölkonzern, der die Bedeutung des Shopgeschäftes mit der Errichtung von Cracker-Box-Tankstellen richtig einschätzte. Verblüffend schnell verbreitete sich diese Idee über das ganze Land und bescherte den Tankstellenkonzernen zusätzlich zum Benzinverkauf auch Einnahmen durch TBA-Produkte – Tyres, Batteries and Accessories, also Reifen, Batterien und Autozubehör. Standard Oil of Indiana ging sogar einen Schritt weiter und verwandelte seine Tankstellen in regelrechte Warenhäuser, die neben Benzin die ganze Produktpalette der Ölindustrie anbot, von Motoröl bis Möbelpolitur und Schmieröl für Nähmaschinen und Staubsauger.

Sprit und Convenience

Da das Benzingeschäft in den Vereinigten Staaten hinsichtlich Preise und Gewinnspannen großen Schwankungen unterworfen war, hielten die Mineralölgesellschaften Ausschau nach weiteren, über das TBA-Geschäft hinausgehende zusätzliche Einnahmequellen. Und Convenience Stores, wie zum Beispiel 7-Eleven, erschienen ihnen als eine durchaus brauchbare Ergänzung für ihr Benzingeschäft. Aber so richtig einsteigen wollten die Mineralölgesellschaften nicht. Mit dem Bau von Bohrinseln, der Ölproduktion, den Transport und die Verarbeitung von Erdöl war das Geschäft überblickbar.  Die Branche war gewohnt, in Millionen-Dollar-Dimensionen zu disponieren und plötzlich ging es um Lebensmittel, Speiseeis und Artikel des täglichen Bedarfs. Aber sie wurden sehr rasch davon überzeugt, dass sich mit Convenience-Stores sehr gutes Geld verdienen lässt. Genügend Kapital war vorhanden und neue Konzepte waren nicht erforderlich, denn Convenience Stores waren bereits ein fester Bestandteil der amerikanischen Handelslandschaft. Aber die Zeit drängte, denn schon seit Anfang der 1970er Jahre boomte der Convenience Store, also die bequeme Einkaufsstätte. Quer durch die USA schossen diese Geschäfte wie Pilze aus dem Boden und bereiteten den „klassischen“ Tankstellenbetreibern schlaflose Nächte.

Mitte der 1980er Jahre begannen die Mineralölgesellschaften gegenzusteuern. Sie erweiterten ihre Shops zu „Gasoline Stores“ mit einem Sortiment so umfassend  wie das der Convenience Stores. Diamond Shamrock, Chevron und Texaco richteten hunderte solcher Stores ein und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Im Jahr 1993 lag der Anteil der Mineralölgesellschaften am US-Convenience-Markt  bereits bei 40 Prozent, jedoch mit unterschiedlichen Warenangeboten, je nachdem welche Verträge die Zusammenarbeit zwischen den Ölkonzernen und den Tankstellenbetreibern regelten. Da gab es die CoCo-Tankstellen (Company onwed, Company operated), also konzerneigene und auch vom Konzern geführte Anlagen. Bei den CoDo-Tankstellen wurden die konzerneigenen Anlagen durch einen Franchise-Partner (Dealer) oder Pächter geführt. Und die DoDo-Tankstellen standen ganz im Eigentum eines Händlers (Dealer owned, Dealer operated) mit deutlich weniger Einflussmöglichkeiten des Mineralöl-konzerns auf das Warensortiment im Shop.