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Zauberwort Convenience

Mit einem eigenen Marktdesign signalisieren die Tankstellen ihre Convenience-Kompetenz für das Shop-Geschäft. 
© Energie Vision
Mit einem eigenen Marktdesign signalisieren die Tankstellen ihre Convenience-Kompetenz für das Shop-Geschäft.
© Energie Vision

“Sell and listen to the customers need” war Leitspruch von Joe C. Thomson, der 1927 In Oak Cliff, einem Vorort von Dallas neben Eisblöcken auch Milch, Brot und Eier verkaufte, wenn andere Geschäfte bereits geschlossen hatten. Diese praktische Idee legte den Grundstein für den ersten modernen Convenience Store. Der Name entstand 1946, basierend auf den damals revolutionären Öffnungszeiten 07.00 bis 23.00 Uhr. Das Sortiment ist heute auf absolute Schnelligkeit ausgelegt und umfasst Grundnahrungsmittel, Fertiggerichte, Heiß- und Kaltgetränke, Zeitschriften sowie Haushaltswaren, weiters Dienstleistungen wie Bankautomaten, Postservice und Essensabholung

Convenience – vom Tiger Market in Texas bis VIVA in Österreich

Es war in den 1970-Jahren Gerald Lewis, Chef des damals in den USA führenden Marketingunternehmens, der CDI Group, der gemeinsam mit der Continental Oil und 7-Eleven in Wilmington, Delaware den Prototyp eines Convenience Stores samt Tankstelle entwickelte. Und um sich von ihrer traditionellen Sprit-Geschäft abzugrenzen, wurde für den Convenience Store ein neues Markenlogo eingeführt. Und so entstanden bei den Tankstellen in den USA zum Beispiel der Tiger Market für Esso, Mobil On The Run für Mobil Oil und ETD für Shell. In Europa bp express für BP, Aral Store für Aral, Shell select für Shell und später VIVA für OMV.

Für die Ölfirmen in den USA war Convenience damals ein Gebot der Stunde, denn der Kraftstoffmarkt war massiven Preis- und damit auch Gewinnschwankungen unterworfen. Und mit der stark rückläufigen Nachfrage nach Autozubehör, Reifen und Batterien (ATB) wollte die Ölbranche mit Convenience Stores eine solide Grundlage auch für ihr Sprit-Geschäft schaffen. Nur war der Einstieg in dieses Geschäft schwierig, denn wenn man Milliarden US-Dollar in die Ölproduktion investiert, in den Bau von Bohrinseln, in den Transport von Erdöl, dann hat man es immerhin nur mit drei oder vier Produkten zu tun. Bei einem Convenience-Store ist das anders, da hat man sehr viele Produkte.

SPRIT + Convenience – die totale Zuwendung zum Kunden

In Europa gelangte der Convenience-Gedanke über England, Norwegen und Deutschland auch nach Österreich. Der Start erfolgte am 8. und 9. Juni 1995 bei CONVENIENCE – Das Forum für den Europäischen Convenience Markt, einer Initiative von dem Sprit Vision, heute Energie Vision Verlag. An diesen zwei Tagen und weiteren SPRIT + Convenience-Foren in London, Budapest, Salzburg und zwei weiteren In Wien, informierten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland, wie USA, UK, Norwegen und Deutschland über die erfolgreiche Implementierung von Convenience – der totalen Zuwendung zum Kunden

Österreich – kein 7-Eleven wie in den USA

In Österreich gestaltete sich die Umstellung der herkömmlichen Tankstellen-Shops zu Convenience-Stores oder Nahversorgern, im Vergleich zu anderen Ländern Europas, recht kompliziert. Die Tankstellen sollen ruhig Reiseproviant rund um die Uhr verkaufen, jedoch keine Nahversorgungprodukte, wie Milch, Brot oder Gemüse – war die offizielle Aussage des Bundesgremiums des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich, die eigentlich auch die Interessen des Fachverbandes Tankstellen vertritt.  Unabhängig davon, überzogen massenhaft von der Lebensmittelbranche initiierte Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs die österreichische Tankstellenlandschaft. Man ging sogar noch weiter, indem verstärkt Kontrollen der Behörden gefordert wurden. Ein weiterer Vorwurf traf die Nichteinhaltung der Öffnungszeiten, also keine „7-Eleven Stores“ in Österreich.

Tankstellen heute – unverzichtbar in der österreichischen Handelslandschaft

Das im EU-Vergleich dichte österreichische Tankstellennetz mit 2694 öffentlich zugänglichen Standorten zum Jahresende 2026, präsentiert sich stabil und vor allem vielseitig. Es gewährleistet die flächendeckende Versorgung von über 5 Millionen Personenkraftwagen, Motorrädern, Autobussen und Lastkraftwagen. Die 1283 Major-Branded Servicestationen umfassen Eni, BP, OMV mit Avanti, Shell und JET. Die zweite Gruppe vereint 1411 Standorte mit weiteren Marken wie Turmöl, Genol, Avia und Socar.

Convenience endet nicht beim Shop-Regal

Convenience heißt absolute Zuwendung zum Kunden. Das betrifft auch den Energiebereich. Und so endet Convenience nicht beim Shop-Regal. Die Ausstattung mit Strom-Ladesäulen für die Elektromobilität nimmt laufend an Fahrt auf. Aktuell gibt es 1246 Ladestationen, davon 1119 mit Schnellladepunkte ab 150 KW. Auch alternative Kraftstoffe werden im österreichischen Tankstellennetz angeboten.

Ende 2025 verfügten 1062 Standorte bereits über ein umfassendes Nahversorger-Sortiment mit Öffnungszeiten rund um die Uhr – schon ähnlich wie 7-Eleven in der Gründerphase. Die Warenversorgung erfolgt heute durch die großen Lebensmittelkonzerne wie Billa, REWE oder SPAR. Es sind die Unternehmen des Lebensmittelhandels, die noch vor Jahren die Tankstellen mit Klagen wegen diverser Gesetzes- und Verordnungswidrigkeiten zugeschüttet haben. Die Zusammenarbeit zwischen den Tankstellenkonzernen und der Lebensmittelbranche ist heute eine Win/Win-Situation, denn beide erzielen Vorteile und es gibt keine Verlierer.  Für die Lebensmittelbranche hat sich mit den Tankstellen ein neuer lukrativer Absatzkanal geöffnet und die Tankstellen können ihr umfassendes Nahversorgersortiment zu moderaten Verkaufspreisen anbieten.